Plus-MINT Preis – Teilnahme am LIYSF als besondere Auszeichnung

 

26. August 2026

Dieser Sommer bot mir die unglaubliche Gelegenheit, auf Einladung des Vereins zur MINT-Talentförderung e. V., am London International Youth Science Forum (LIYSF) teilzunehmen. Das Forum fand vom 19. Juli bis 1. August 2026 am renommierten Imperial College London statt und Jugendliche aus rund 90 Nationen nahmen daran teil. (Video im Text weiter unten)

Diese zwei Wochen am Imperial College London, zusammen mit den Besuchen der University of Oxford und University of Cambridge, bleiben ein unvergessliches Erlebnis für mich.

Ich hatte das Privileg, Vorträge von Nobelpreisträgern und anderen renommierten Forschern zu hören und internationale Spitzen-Wissenschaft verschiedener Disziplinen in den Laboren zu beobachten und darüber hinaus hatte ich Gelegenheit, mit Jugendlichen aus vielen verschiedenen Ländern Freundschaften zu schließen.

Schon bei meiner Ankunft in London war ich von der Professionalität und Herzlichkeit beeindruckt, mit der wir Teilnehmer von der Organisation und den Mitarbeitern empfangen wurden. Alle von uns stellten sich wahrscheinlich die gleiche Frage: Was würde uns in den nächsten zwei Wochen erwarten?

Im Queen Alexandra House, einer Studentenunterkunft in South Kensington, London, traf ich bereits die ersten anderen Teilnehmerinnen.Wir fanden sofort zueinander und führten lange Gespräche über gemeinsame Interessen und Themen. Es ist eine großartige Erfahrung, sich so schnell zu verstehen und Gemeinsamkeiten zu finden.

Der erste Abend begann mit einer Willkommensveranstaltung für alle Teilnehmer und das Organisationsteam unter der Leitung von Richard Myhill, dem Chief Executive Officer des LIYSF. Dort wurde schnell deutlich, dass alle Teilnehmer ein großes Interesse an Wissenschaft und Forschung teilen.

Am nächsten Tag fand im Ondaatje Lecture Theatre, einem Hörsaal der Royal Geographical Society in London die Eröffnungszeremonie mit Keynote von John O’Keefe statt. Erst am Vorabend hatte ich die aufregende Nachricht erhalten, dass ich als Fahnenträgerin für die deutsche Delegation ausgewählt worden war.

Der absolute Höhepunkt der Veranstaltung bleibt für mich jedoch die Keynote von Professor John O’Keefe, Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin 2014. Mit welcher Begeisterung Professor O’Keefe über sein Fachgebiet, die kognitiven Neurowissenschaften, spricht, ist beeindruckend. Er erläuterte die Erforschung des Hippocampus und die neuronalen Grundlagen des räumlichen Gedächtnisses und der Orientierung.

Besonders hervorzuheben ist, dass seine bahnbrechende Karriere nicht in den Naturwissenschaften begann. Zunächst beschäftigte er sich intensiv mit klassischen Sprachen, Latein und Altgriechisch, bevor er nach einigen weiteren Stationen zu den Naturwissenschaften wechselte. Sein akademischer Werdegang und sein Vortrag verdeutlichen eindrucksvoll, welche Bedeutung auch Geisteswissenschaften und Philosophie für naturwissenschaftliches Denken, Forschen und wissenschaftliche Schlussfolgerungen haben können.

Nach der Zeremonie wurde ich zu einem besonderen Austausch eingeladen und hatte die Gelegenheit, mit Professor O´Keefe und Professorin Clare Elwell zu sprechen. Clare Elwell ist Professorin für Medizinische Physik am Institut für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik am University College London (UCL) und die akademische Präsidentin des LIYSF. Am Abend standen dann mit dem Pin Exchange und dem LIYSF Grand Quiz wieder gemeinsame Aktivitäten für uns alle auf dem Programm.

Unser Stundenplan war individuell anpassbar und umfasste Principal Lectures, Specialist Lectures und diverse andere Veranstaltungen. Besonders hervorzuheben sind die Besuche von Forschungseinrichtungen im Großraum London, darunter der Besuch bei Oxford Nanopore Technologies, einem Spin-off der University of Oxford. Die anschließende Networking-Veranstaltung bot nicht nur mir eine hervorragende Gelegenheit, mit Menschen aus Wissenschaft und Praxis ins Gespräch zu kommen.

Die dann folgenden Besuche der University of Oxford und University of Cambridge haben mich nachhaltig beeindruckt. Das historische Ambiente, die imposante Architektur und die akademische Exzellenz dieser Orte sind wirklich bemerkenswert.

Wir konnten aber nicht nur einen Einblick ins universitäre Leben gewinnen, sondern auch die malerischen Städte erkunden. Oxford ist größer und lebhafter, während Cambridge etwas kleiner und ruhiger ist – beide Städte haben aber ihren ganz eigenen Charme und bieten internationale studentische Atmosphäre. Auch wenn sich Oxford und Cambridge unterscheiden, lädt jeder Ort auf seine eigene Weise zum Lokokeben und Studieren in England ein!

Der Schwerpunkt des LIYSF liegt aber am Imperial College London, wo Jahr für Jahr die meisten Vorlesungen und Treffen mit Wissenschaftlern stattfinden. Der Programmpunkt „Specialist Lectures“ bot eine außergewöhnliche und bleibende Erfahrung. Wir konnten uns mit verschiedenen wissenschaftlichen Themen auseinandersetzen und tiefer in einzelne Disziplinen eintauchen. Die Vielfalt der Themen und die vertretenen Forschungsgebiete waren besonders faszinierend.

Ebenfalls bemerkenswert war der „Science Forum Bazaar“, auf dem wir unsere eigenen Projekte vorstellen und uns über unsere Forschung austauschen konnten. Die Vielfalt der Projekte und die Begeisterung der Teilnehmer bleiben mir auch mit ein paar Wochen Abstand noch immer in besonderer Erinnerung. Mein Projekt „Natural-Leaf Based Substrates for Sustainable Electronics“ zog viele interessante Gesprächen nach sich und ermöglichte es mir, einige Kontakte zu knüpfen, Einblicke in die Forschung junger Menschen aus anderen Ländern zu gewinnen und ihre Anliegen zu verstehen.

Das LIYSF beschränkt sich jedoch nicht auf die Wissenschaft. Kulturelle und soziale Veranstaltungen sind ein wichtiger Bestandteil des Programms. Beim Abend „Traditions of Home“ präsentierten die Teilnehmer ihre Kulturen und Traditionen mit viel Spaß und Kreativität. Wir erhielten einen Einblick in die Lebensweisen anderer Kulturen und Nationen und lernten damit gleichzeitig neue Perspektiven kennen.

Die gemeinsamen Abende sind ein wesentlicher Bestandteil des Forums. Ob beim Sporttag, bei Debatten oder bei den verschiedenen Social Events, wir haben uns besser kennengelernt und einen neuen und erweiterten Blick auf die Welt gewonnen.

Als besonders schön empfinde ich es, dass aus den anfänglichen Bekanntschaften schnell Freundschaften entstanden sind. Zu acht haben wir viel Zeit in London verbracht, beim Karaoke, Bowlen, Shoppen oder beim Besuch einiger der fantastischen Museen in London. Zum Ende des Forums wurde es noch einmal besonders interessant. Neben weiteren wissenschaftlichen Vorträgen gab es eine Veranstaltung zu wissenschaftlichen Karrieren und den Möglichkeiten für Ph.Ds., aber auch Wege in die Industrie wurden uns aufgezeigt.

Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Wege, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeschlagen haben, und wie verschieden wissenschaftliche Karrieren sein können. Diese Einblicke haben mir gezeigt, dass es keinen typischen oder festgeschriebenen Weg in die Wissenschaft gibt. Entscheidender ist es, mit Begeisterung, einem weiten Blick auf die Themen und mit viel Neugier und Ausdauer seine Ziele zu verfolgen.

Das LIYSF endete mit einer Closing Debate, der Abschluss-Keynote zum Thema „Wildtyp-Neurowissenschaft und das menschliche Gehirn“ und einer wunderschönen Abschlusszeremonie.

Rückblickend auf diese außergewöhnlichen zwei Wochen kann ich kaum glauben, wie schnell die Zeit verflogen ist. In kürzester Zeit habe ich viele Menschen kennengelernt, akademische Exzellenz erlebt, einzigartige Erlebnisse und wertvolle Eindrücke gesammelt und nicht zuletzt neue Denkanstöße und Ideen erhalten.

Auf der Farewell Party verabschiedeten wir uns voneinander. Neben den Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse werden einige Kontakte sicherlich über das LIYSF hinaus bestehen bleiben. Für mich war die Teilnahme am LIYSF nicht nur eine Reise nach London, sondern eine unvergessliche Erfahrung, die mich sowohl akademisch als auch persönlich hat wachsen lassen.

Ich habe neue Forschungsgebiete entdeckt, viele inspirierende Menschen getroffen und einen Einblick in verschiedene internationale Perspektiven auf die Wissenschaft gewonnen.

In diesem Sinne kann ich jedem nur raten: Verfolgt eure Ziele und bleibt neugierig!

Text: Hannah Ferenz, Sankt Afra

 
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